Navigation

Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsreflexion

Der am ZiWiS eingerichtete Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsreflexion untersucht die erkenntnistheoretischen, normativen, soziokulturellen und historischen Bedingungen, unter denen wissenschaftliche Praxis stattfindet. Dies schließt auch die Reflexion der gesellschaftlichen und ethischen Konsequenzen und Risiken wissenschaftlichen Handelns ein. Der Arbeitsbereich verfolgt das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden aus erkenntnistheoretischer und ethischer Perspektive zu reflektieren und an problemorientierten Anwendungen zu überprüfen. Dabei werden Forschung und forschungsbasierte Lehre zusammengeführt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit der an der FAU vertretenen Disziplinen gestärkt.

 

Ausführliche Informationen finden Sie auch auf unserem Flyer.

Wissenschaftliches Wissen hebt sich von anderen Wissensformen durch seinen besonderen, auf der spezifischen Methodik und Systematik des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses gründenden Geltungsanspruch ab. Vor diesem Hintergrund forscht der Arbeitsbereich Wissenschaftsreflexion an theoretischen Fragen zur Wissensproduktion, die aus der Perspektive der Einzelwissenschaften selbst selten in den Blick genommen werden. Ziel ist es, zu einer kritischen Selbstreflexion der Wissenschaft beizutragen. Die Forschungsschwerpunkte umfassen deshalb sowohl allgemeine Grundfragen der Wissenschaftsphilosophie als auch spezielle wissenschaftstheoretische und -ethische Aspekte einzelner Disziplinen.

Themen in der Forschung (Auswahl)

Allgemeine Wissenschaftsreflexion
  • Vertrauen in die / in den Wissenschaften
  • Kooperation und Konkurrenz als Strukturelemente wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse
  • Wissenschaftliche Erkenntnis und ökonomischer Verwertungsdruck
  • Scheitern und Fehler in den Wissenschaften
  • Mainstream und Pluralismus in den Wissenschaften
  • Möglichkeiten und Grenzen interdisziplinärer Forschung
Reflexion der Einzelwissenschaften
  • Philosophie der Psychologie
  • Philosophie und Ethik der Neurowissenschaften
  • Philosophie und Ethik der Genetik
  • Philosophie und Geschichte der Biologie und der Evolutionstheorie

Schwerpunktthema Wissenschaftsgeschichte

Allgemeine Einführung: Wahrnehmungspraxis in der Kulturgeschichte der Wissenschaften. Eine Einführung in die Wissenschaftsgeschichte (Erlangen: 12.02.-14.02.2018

Mit den Anfängen der modernen Wissenschaft, die mit ihrer experimentellen Wende im 16. Jahrhundert angesetzt wird, setzt auch ein verändertes Verhältnis zur Wahrnehmung insgesamt ein. Im Bemühen um Schärfung und Erweiterung des Sinnesvermögens hat man für die experimentelle Praxis der Wissenschaften vielerlei Techniken und Hilfsmittel konstruiert, die von einer Reflexion über korrekte, verzerrte, täuschende oder reglementierte Potentiale von Wahrnehmung und ihren verschiedenen Repräsentationen begleitet war. In dieser wissenschaftshistorischen Lehrveranstaltung soll der kulturelle Kontext und der technische Aspekt dieser sich verfeinernden Methode zusammen mit den theoretischen Diskursen über die Möglichkeiten, ein möglichst objektives Bild der Natur zu erhalten, besprochen werden. Die Darstellung dieses Wissens in Sammlungen, Karten/Atlanten, Modellen, Bildern, Fotografien und Filmen wird dabei helfen. Dabei soll der Aspekt ihrer Historizität herausgearbeitet werden, indem auf die sozialen und wissenschaftlichen Kontexte eingegangen wird, die zB. die Konstruktion von Apparaten zur Schallaufnahme begleitet haben, genauso wie die Bildarrangements botanischer Zeichnungen, die Modelle von Wasserfällen, die verschiedenen bildförmigen Darstellungen von Evolutionstheorie oder der Einsatz von Fotografischer Forschung über Bewegungen, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Mit der zunehmenden Vielfalt der Methoden, z.B. der Fixierung mikroskopischer Beobachtungen, mit der Fotografie, mit der Röntgenaufnahme lernen wir die historisch unterschiedlichen Funktionen ihres Einsatzes in Wissenschaft und Kultur kennen und damit auch ihren jeweils institutionellen und/oder symbolischen Ort ihres Einsatzes.

Weiterlesen…

Naturwissenschaften: Einführung in die Geschichte der Chemie (Erlangen: 01.06.-03.06.2018)

Chemie ist eine der drei klassischer Weise so bezeichneten Naturwissenschaften. Anders als die Physik ist sie als „späte“ Wissenschaft zu bezeichnen. Obwohl Chemie mit Blick auf die Synthese neuer Substanzen in einer einzigartigen Weise als kreative Wissenschaft zu bezeichnen ist, wird sie sowohl in der Wissenschaftstheorie als auch in der Wissenschaftsgeschichte eher stiefmütterlich behandelt. Die Gründe dafür liegen eben in der langen, spannenden und nur interdisziplinär zu begreifenden Geschichte der Chemie, die zunächst viel eher eine Kunst im Sinne eines Handwerks war, die dann Alchemie war, bevor sie seit dem 18./19. Jahrhundert als moderne Wissenschaft zu bezeichnen ist.

Weiterlesen…

Sozialwissenschaften: Einführung in die Geschichte der modernen Geistes- und Sozialwissenschaften (Erlangen: 06.04, 17.05 und 21.06.18)

Die Geschichte einer Wissenschaft ist immer auch die Geschichte ihres Gegenstandes. Beide stehen in wechselseitigem Verhältnis zueinander und bringen sich gegenseitig hervor, so auch im Fall der modernen Geistes- und Sozialwissenschaften. Zweifelsfrei gab es auch schon „vormoderne“ Begriffe von Geist und Gesellschaft, die spezifischen Disziplinen (z.B. Philosophie, Theologie) verpflichtet waren. Mit den politischen und sozialen Umbrüchen im Übergang zur Neuzeit (etwa seit dem ausgehenden 17 Jh.) entstanden jedoch ganz neue Formen des Zusammenlebens, der Individualität oder der Technik, die sich wiederum in ganz anderen Beschreibungen spiegelten. Ausgehend von dieser These untersuchen wir in diesem Kurs schlaglichtartig die Geschichte der modernen Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Pluralisierung von Lebensformen und die Ausdifferenzierung von Gesellschaft (Bevölkerungswachstum, Mobilität, industrielle Produktion usw.) brachten ganz neue Probleme mit sich. Diese zwang nicht nur die klassischen (akademischen) Disziplinen zu Reaktionen, sondern brachte eine Vielzahl neuer Disziplinenprojekte hervor, die sich von ihren Vorgängern abzusetzen suchten. Vorbilder oder Ideale fanden sie dabei nicht selten in den zeitgleich ebenfalls sehr dynamischen Naturwissenschaften. Es entstand eine große Zahl von Disziplinen, die sich weiter aufspalteten bzw. spezialisierten, schließlich aber doch unter dem Dach der Geistes- und bzw. oder der Sozialwissenschaften zusammengefasst wurden. Der Kurs soll einen Überblick über diese Geschichte bieten und exemplarisch vertiefen. Neben Ursprungserzählungen, Autoritätskämpfen und Methodendiskussionen soll auch das Verhältnis der Geistes- und Sozialwissenschaften zu den Naturwissenschaften untersucht werden, um Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen zu historisieren.

Weiterlesen…

Lebenswissenschaften: Einführung in die Geschichte der Biologie (Erlangen: 25.05.-27.05.2018)

Die Biologie ist zu einer zentralen Wissenschaft für das menschliche Selbstverständnis geworden: Sie gibt Aufschluss über unsere Natur als physisch-psychische Organismen, unsere genealogische Verbundenheit mit allen anderen Lebewesen und unsere Abhängigkeit vom ökologischen Miteinander der Wesen auf der Erde. Um die theoretischen und begrifflichen Grundlagen der Biologie zu verstehen, ist ein Blick in ihre Geschichte unverzichtbar. Die Wurzeln der Biologie liegen in der Antike, zu einer Wissenschaft mit vereinheitlichenden Konzepten wie ›Zelle‹, ›Entwicklung‹, ›Evolution‹ und ›Verhalten‹ entwickelt sie sich seit der Zeit um 1800. In der Gegenwart verschränken sich in ihr in zunehmendem Maße faktische mit normativen Fragen, etwa in den Bereichen der Biomedizin und Biodiversität.

Das Seminar gibt einen Überblick über die Geschichte der Biologie und deren Relevanz für die Gegenwart. Besondere Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Ein genauer Seminarplan folgt. Ein digitaler Reader mit einem Text für jede Sektion wird bereitgestellt und sollte vor Beginn des Seminars gelesen werden.

Weiterlesen…


Vortragsreihe: Vom Reiz des Wissens. Wissenschaft und Erkenntnis (Nürnberg: 23.01.-06.03.2018)

Wissenschaft findet mehr heraus als jede/r Einzelne es könnte. Aber wie macht sie das? Wie funktioniert das Geflecht aus Hypothesen und Theorien, Beobachtungen und Experimenten, das uns Quanten, Gene und Neuronen erschließt? Die Verlässlichkeit der Forschungsmethoden, die Selbstkorrektur der Wissenschaft, der Einfluss externer Interessen und Bewertungen, aber auch die Rolle des forschenden Menschen stehen im Fokus der Vortragsreihe „Vom Reiz des Wissens“, die der Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsreflexion des ZiWiS in Kooperation mit „Kortizes – Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs“ und der Stadt Nürnberg im Nicolaus-Copernicus-Planetarium veranstaltet. Sprecher sind am 23.01.2018 Prof. Dr. Ernst-Peter Fischer (Wissenschaftsgeschichte, Heidelberg); am 06.02.2018  Prof. Dr. Gerhard Ernst (Philosophie, Erlangen), am 20.02.2018 Prof. Dr. Franz Wuketits (Biologie und Wissenschaftstheorie, Wien) und am 06.03.2018 Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrandt (Philosophie, Karlsruhe). Programm und Moderation: Michael Jungert und Sebastian Schuol.

 

Workshop: Das Ende der Theorie? Big Data in der Forschungspraxis (Erlangen: 10.10.-11.10.2017)

In der Vergangenheit wurde im Zusammenhang der Entwicklung von Big-Data-Verfahren in einigen Forschungsbereichen ein bedeutender Wandel der wissenschaftlichen Forschungspraxis erwartet. Unter anderem wurde spekuliert, dass das traditionelle, hypothesengeleitete Vorgehen in datenintensiven Forschungsbereichen durch einen neunen, rein datengetriebenen Ansatz abgelöst werden würde. Mittels statistischer Methoden könnten Hypothesen in Zukunft allein auf Grundlage gegebener Datenstrukturen generiert und so die Hypothesenbildung am Ende selbst automatisiert werden. Da diese wissenschaftstheoretische Debatte vor der Etablierung von Big-Data-Verfahren stattfand, lässt sich erst jetzt nach der erfolgten Etablierung dieser Verfahren in immer mehr Forschungsbereichen empirisch überprüfen, inwiefern sich diese Erwartungen tatsächlich bewahrheitet haben.

Weiterlesen…

 

Ringvorlesung: Wissenschaftsreflexion. Theorie, Ethik, Praxis. (Erlangen: Sommersemester 2017)

In Kooperation mit dem Institut für Philosophie und der Professur für Ethik in der Medizin der FAU ging die Ringvorlesung „Wissenschaftsreflexion. Theorie, Ethik, Praxis“ Fragen nach wie: Welche Rolle spielt die Wissenschaft für demokratische Gesellschaften? Was bedeutet Freiheit der Wissenschaft? Welche ethischen Fragen resultieren aus der aktuellen Forschung in Medizin und Psychiatrie?

Weiterlesen…

 

Wissen durch Vertrauen? Zur Epistemologie der Zeugnisse wissenschaftlicher Experten

(DFG-Sachbeihilfe; PI: Dr. Jon Leefmann; Laufzeit: Januar 2018 – Dezember 2020)

Ziel des Projekts ist es Theorie zu entwickeln, wie Nicht-Experten trotz ihrer epistemisch stark asymmetrischen Beziehung zu wissenschaftlichen Experten aus deren Zeugnissen erworbene Überzeugungen rechtfertigen und damit als Wissen auszeichnen können. Im Zentrum steht dabei der Begriff des „epistemischen Vertrauens“. Zum einen wird untersucht, was diese Haltung des Nicht-Experten gegenüber den Wissensansprüchen wissenschaftlicher Experten in epistemischer Hinsicht im Kontrast zu anderen Haltungen wie Skepsis oder Autoritätsgläubigkeit auszeichnet. Zum anderen soll durch die Untersuchung zweier wissenschaftsphilosophisch relevanter Expertenkontexte erklärt werden wodurch diese Haltung (wenn überhaupt) als Methode des Wissenserwerbs in verlässlich wird: Der Wissensproduktion in interdisziplinären Forschergruppen und der Wissenschaftskommunikation mit einer interessierten Öffentlichkeit. Insbesondere soll dabei die Hypothese geprüft werden, dass auf Expertenzeugnissen beruhende Überzeugungen des Nicht-Experten nur dann als gerechtfertigt gelten können, wenn Expertenzeugnisse nicht als einseitige Akte der Informationsübermittelung, sondern als Kommunikationsprozesse aufgefasst werden, in denen die Rechtfertigung der vom Nicht-Experten erworbenen Überzeugung in einem vernünftigen Prozess von beiden Kommunikationspartnern gemeinsam konstruiert wird.

Weiterlesen…

Informationen folgen in Kürze.

Das vielfältige Lehrangebot umfasst sowohl grundlagenorientierte wie auch forschungsgeleitete Seminare und wird ergänzt um weitere Formate wie Workshops, Vortragsreihen und Diskussionsforen.

Themen in der Lehre (Auswahl)

Allgemeine Wissenschaftsreflexion
  • Wissenschaftsphilosophie
  • Wissenschaftsethik
  • Wissenschaftsgeschichte
  • Epistemisches Vertrauen in den Wissenschaften
  • Science and Technology-Studies
Reflexion der Einzelwissenschaften
  • Philosophie der Psychologie und Medizin
  • Neurophilosophie und -Ethik
  • Ethik der Genetik
  • Geschichte der Evolutionstheorien
  • Philosophie der Technikwissenschaften

Weitere Informationen zum Forschungs- und Lehrprogramm sowie zu Teilnahme- und Anmeldemodalitäten finden Sie im UnivIS unter »Schlüsselqualifikationen« (Kategorie »Wissenschaftsreflexion«). Die Lehrangebote sind mit ECTS-Punkten versehen und können – sofern die Fachstudien- und Prüfungsordnung dies vorsieht – im Rahmen der Schlüsselqualifikationen anerkannt werden. Die Teilnahme an den Veranstaltungen steht allen Studierenden der FAU offen und ist kostenlos.

Die Zeitschrift für Wissenschaftsreflexion – Journal for Applied Philosophy of Science (ZfW) ist ein vom Forschungsschwerpunkt Wissenschaftsreflexion des ZiWiS herausgegebenes Online-Journal. Veröffentlicht werden wissenschaftliche Arbeiten, die den Zusammenhang zwischen wissenschaftlichem Erkenntnisanspruch und seinen methodologischen, historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Auswirkungen untersuchen oder aus einer interdisziplinären Perspektive erschließen. Dazu gehören Beiträge aus den Bereichen Erkenntnistheorie, Forschungsmethodologie, Wissenschaftsphilosophie, historische Wissenschaftsforschung, Wissenschaftsethik und Wissenschaftsdidaktik, wobei als Bezugswissenschaften dieser Untersuchungen alle geistes-, natur-, sozial- und technikwissenschaftlichen Disziplinen berücksichtigt werden.

Hier geht es zur Website der Zeitschrift.

 


Bild: © colourbox.com