Navigation

Forschungsprojekte

Language, Visualizations and Concepts – On the Evolution of the Corona Discourse (LaViCo) /
Sprache, Visualisierungen und Konzepte Zur Evolution des Corona-Diskurses

Projektleitung: Dr. Sebastian Schuol (PI), Dr. Katrin Götz-Votteler, Dr. Simone Hespers

Finanzierung: VolkswagenStiftung (Förderlinie „Corona Crisis and Beyond – Perspectives for Science, Scholarship and Society“)

Projektlaufzeit: ab Frühjahr 2021 (18 Monate)

Am Fallbeispiel des Diskurses zur Corona-Pandemie untersucht das von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungsprojekt mittels eines evolutionstheoretischen Ansatzes, wie wissenschaftliche Erkenntnisse  vermittelt wurden, wie sich diese im Zeitverlauf verändert haben und welche Konzepte sich schließlich durchgesetzt haben. Aus drei verschiedenen Perspektiven wird analysiert, wie das entstehende Wissen über das Virus und die Erkrankung (a) versprachlicht sowie (b) visualisiert wird und (c) auf welche Weise der Austausch zu diesem Thema stattfindet. Ein weiteres zentrales Erkenntnisinteresse besteht darin zu eruieren, ob und wenn ja, aus welchen Gründen, sich bestimmte Vermittlungswege durchsetzen konnten. Wir erhoffen uns von diesem interdisziplinären Ansatz Ergebnisse, die auch für zukünftige wissenschaftskommunikative Anliegen wegweisend sein können.

Zur Projektseite


Die Politik der Vernetzung: Interessenvertretung und Naturforschung in der frühen Leopoldina (1652-1769) / Networking politics: Status Interests and Study of Nature in the Early Leopoldina (1652-1769)

Projektleitung: Dr. Julia Carina Böttcher

Finanzierung: DFG (Förderlinie „Sachbeihilfe: Eigene Stelle“)

Projektlaufzeit: 10/2020 – 09/2023

Anliegen des Projekts ist es, anhand der Mitglieder der frühen Leopoldina das Handlungsmuster des frühneuzeitlichen Gelehrten im Spannungsfeld zwischen Naturforschung und Politik zu untersuchen.

Die frühe Leopoldina nutzte als Gelehrtengesellschaft erfolgreich die spezifischen Gegebenheiten im Reich: 1652 als Academia Naturae Curiosorum gegründet, etablierten die in ihr vereinigten Mediziner binnen weniger Jahrzehnte eine stabile, unabhängige und privilegierte Einrichtung für Naturforschung. Als Ärzte vertraten sie geschickt ihre Interessen in ganz verschiedenen Feldern: innerhalb der Akademie, in Städten, an Universitäten, am Kaiserhof und in den Territorien des Reichs. Über ihren Deutungsanspruch für Themen wie Gesundheit und Hygiene, Natur und ihre Erforschung gestalteten sie die frühneuzeitliche Gesellschaft aktiv mit.

Die Mitglieder der Leopoldina sind historisch interessant als Personen, die in verschiedenen Tätigkeitsfeldern agierten, sei es politisch oder naturforschend, im städtischen oder akademischen Kontext. Die Geschichte der frühen Leopoldina bietet die geschichtswissenschaftlich wie wissenschaftshistorisch reizvolle Möglichkeit, das Verhalten ihrer Mitglieder als Akteure in den verflochtenen Aktivitätsfeldern von Naturforschung und Politik zu analysieren. Forschungsleitende Hypothese ist, dass sich mithilfe einer Untersuchung dieser naturforschenden Ärzte Charakteristika des Handlungsmusters einer sich herausbildenden Funktionselite erschließen lassen.


Scheitern in den Wissenschaften – historische und systematische Perspektiven

Projektleitung: Dr. Michael Jungert (FAU Erlangen-Nürnberg, ZiWiS), Dr. Sylvia Brockstieger (Universität Heidelberg), Dr. Mona Garloff (Universität Innsbruck)

Finanzierung: VolkswagenStiftung (Förderlinie „Originalitätsverdacht?“ Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften)

Projektlaufzeit: 01.04.2020 – 31.12.2021

© faithie | Adobe Stock

Das Scheitern ist in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen ein ständiger Begleiter der wissenschaftlichen Praxis, wird jedoch im innerwissenschaftlichen Diskurs und in der Außendarstellung von Wissenschaft kaum thematisiert. Auch seine mitunter produktiven Implikationen werden verschwiegen. Gescheiterte Ansätze oder Experimente können in der Regel nicht publiziert werden, es mangelt an der systematischen Sichtbarmachung erfolgloser Versuche, und Drittmittel werden vor allem auf der Basis greifbarer und (vermeintlich) neuartiger Ergebnisse und vorzeigbarer Erfolge vergeben. Um die Bedingungen für einen produktiven Umgang mit dem Scheitern zu verbessern, sind das Erkennen des Prozesscharakters von Wissenschaft und die eingehende historische Analyse ihrer Kontexte, Formen und Auswirkungen „gescheiterter“ Wissenschaft von entscheidender Bedeutung. In unserem Projekt sollen erstmals drei Perspektiven auf das Scheitern in der Wissenschaft zusammengeführt werden, nämlich die der Wissenschaftsphilosophie, der Geschichtswissenschaft und der Literaturwissenschaft, sowie vormoderne und moderne Problembestände aufeinander bezogen werden. Dieses Vorgehen verstehen wir im Sinne einer Problemgeschichte des Scheiterns, in der die verschiedenen Formen, Funktionen, Semantiken und Praktiken scheiternder Wissenschaft, wie sie uns in ausgewählten Fällen der Wissenschaftsgeschichte entgegentreten, auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin befragt werden. „Scheitern“ hat eine epistemologische Seite (Irrtum) und eine praxeologische Seite (Scheitern als Zuschreibung), deren wechselseitige Verschränkung es zu erhellen gilt.


Knowledge through Trust? The Epistemology of Scientific Expert Testimony /
Wissen durch Vertrauen? Zur Epistemologie der Zeugnisse wissenschaftlicher Experten

Projektleitung: Dr. Jon Leefmann

Finanzierung: DFG (Förderlinie „Sachbeihilfe: Eigene Stelle“)

Projektlaufzeit: 01.01.2018 – 30.06.2021

Adobe Stock

Ziel des von der DFG für drei Jahre geförderten Projekts ist es, eine Theorie darüber zu entwickeln, wie Nicht-Experten trotz ihrer epistemisch stark asymmetrischen Beziehung zu wissenschaftlichen Experten aus deren Zeugnissen erworbene Überzeugungen rechtfertigen und damit als Wissen auszeichnen können. Im Zentrum steht dabei der Begriff des „epistemischen Vertrauens“. Zum einen wird untersucht, was diese Haltung des Nicht-Experten gegenüber den Wissensansprüchen wissenschaftlicher Experten in epistemischer Hinsicht im Kontrast zu anderen Haltungen wie Skepsis oder Autoritätsgläubigkeit auszeichnet. Zum anderen soll durch die Untersuchung zweier wissenschaftsphilosophisch relevanter Expertenkontexte erklärt werden wodurch diese Haltung (wenn überhaupt) als Methode des Wissenserwerbs verlässlich wird: Der Wissensproduktion in interdisziplinären Forschergruppen und der Wissenschaftskommunikation mit einer interessierten Öffentlichkeit. Insbesondere soll dabei die Hypothese geprüft werden, dass auf Expertenzeugnissen beruhende Überzeugungen des Nicht-Experten nur dann als gerechtfertigt gelten können, wenn Expertenzeugnisse nicht als einseitige Akte der Informationsübermittelung, sondern als Kommunikationsprozesse aufgefasst werden, in denen die Rechtfertigung der vom Nicht-Experten erworbenen Überzeugung in einem vernünftigen Prozess von beiden Kommunikationspartnern gemeinsam konstruiert wird.

Zur Projektseite